Evaluation «Go Offline – keine digitalen Medien bis 4 Jahre» und «Smartphonefreie Kindheit»

Kategorie Projekt

Ausgangslage und Ziele

In Uster starteten im Sommer 2025 zwei Projekte, die zum Ziel haben, den Umgang mit digitalen Medien kritisch zu reflektieren und das Wohlbefinden von Kindern, Eltern und Lehrpersonen zu stärken. Begleitend wird eine unabhängige, dreijährige Evaluation (2025–2028) durchgeführt. Ziel der Evaluation ist es zu untersuchen, welche Rolle Bildschirmmedien für das Wohlbefinden von Kindern sowie von ihren Eltern und Lehrpersonen spielen.

Projektleitung

Fabio Sticca Titel Prof. Dr.

Funktion

Professor für Diagnostik und Förderung sozio-emotionaler und psychomotorischer Entwicklung

Ankica Jurkic Titel MSc

Funktion

Advanced Researcher

Fakten

  • Dauer
    10.2025
    06.2029
  • Projektnummer
    2_40

Projektteam

  • Moritz M. Daum
  • Leonie Sibley
  • Eva Unternährer
  • Katrin Braune-Krickau
  • Daniel Süss

Kooperationen

  • Universität Zürich
  • Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH)
  • Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK) Basel
  • Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Finanzielle Unterstützung

  • Stadt Uster
  • Primarschule Uster

Ausgangslage

In der Stadt Uster wurden im Sommer 2025 zwei Projekte lanciert, die sich mit der Nutzung digitaler Medien im Vorschulalter sowie mit einer Verzichtserklärung auf den Smartphonekauf bis zur 6. Klasse befassen. Beiden Projekten ist gemeinsam, dass sie die Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten sowie die Entlastung von Eltern und Lehrpersonen als übergeordnetes Ziel verfolgen. In einer Begleitstudie soll untersucht werden, ob die beiden Projekte zu einer Reduktion der Nutzung von Bildschirmmedien, einer Verringerung von Verhaltensauffälligkeiten bei Schüler:innen (SuS), einer Entlastung von Lehrpersonen und Eltern sowie zu einer Verbesserung des Klassen- bzw. Familienklimas führen. Zur Evaluation des Projekts werden Eltern, Lehrpersonen und SuS über einen Zeitraum von drei Jahren mittels Onlinefragebogen befragt. Die Datenerhebungen sind jeweils für den Herbst der Jahre 2025, 2026, 2027 und 2028 geplant. Die Evaluation wird von einem Konsortium aus Forscher:innen der HfH, UZH, PHZH, UPK und ZHAW geleitet. Dieses Konsortium ist weder an der Planung noch an der Umsetzung der Projekte beteiligt, wodurch die Unabhängigkeit der Evaluation gewährleistet ist. Die HfH übernimmt die Gesamtleitung des Projekts. 

Vorgehen

Das Projekt «Go-Offline» richtet sich an Eltern von Kindern im Alter von Geburt bis Kindergartenalter und an Kindergartenlehrpersonen in der Gemeinde Uster. Das Projekt «Smartphonefrei» richtet sich hingegen an Eltern und Lehrpersonen von SuS der Primarschulstufe sowie an die SuS der 3. bis 6. Klasse in der Stadt Uster. Die Datenerhebung gliedert sich in drei Teilbereiche: eine Befragung der Eltern und Lehrpersonen in beiden Projekten sowie eine Befragung der Schüler:innen im Projekt «Smartphonefreie Kindheit». Eltern geben Auskunft über das Verhalten und Erleben ihrer Kinder, ihre eigene Belastung, das Familienklima und die Mediennutzung der Kinder. Lehrpersonen werden zum Klassenklima, zur Belastung, und Selbstwirksamkeit befragt. Die Schüler:innen beantworten Fragen zu ihrer Mediennutzung, zu Unterrichtsstörungen, zum Familienklima und zu ihrem Wohlbefinden. Ergänzend werden halbstrukturierte Interviews mit Eltern und Lehrpersonen sowie Fokusgruppen mit Schüler:innen der 6. Klasse durchgeführt, um vertiefte Einblicke in die Erfahrungen und Wahrnehmungen im Umgang mit digitalen Medien zu gewinnen.

Erwartete Ergebnisse

Die Ergebnisse der Befragungen werden über die gesamte Projektlaufzeit hinweg ausgewertet, um Veränderungen in der Mediennutzung und im Wohlbefinden sichtbar zu machen. Dabei wird untersucht, ob sich der Umgang mit Bildschirmmedien bei Kindern über die Jahre verändert und wie dieser mit dem Wohlbefinden von Kindern, Eltern und Lehrpersonen zusammenhängt. Die Interviews werden qualitativ ausgewertet, um ein tieferes Verständnis dafür zu gewinnen, wie Familien und Schulen den Einfluss digitaler Medien im Alltag erleben. Ergänzende Analysen werden im Rahmen von Abschlussarbeiten an den beteiligten Hochschulen durchgeführt.

Fazit für die Praxis

Das Projekt liefert neue Einblicke in den Zusammenhang zwischen der Bildschirmzeit von Kindern, ihrem Verhalten und dem Wohlbefinden von Eltern und Lehrpersonen. Es zeigt mögliche Risikofaktoren auf, die zu Verhaltensauffälligkeiten oder zu Belastungen im Familien- und Schulalltag führen können. Die Ergebnisse bieten eine wichtige Grundlage, um in Ausbildung und Weiterbildung den bewussten Umgang mit digitalen Medien zu fördern – insbesondere in der heilpädagogischen Früherziehung, im Unterricht, in der Elternarbeit und in der Beratung. Auch Fachpersonen und Institutionen können die Erkenntnisse nutzen, um medienpädagogische Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Zudem leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Forschung über den Einfluss digitaler Medien und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und Bildung in der Region Uster.

Literatur

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  • Brauchli, V., Sticca, F., Edelsbrunner, P., von Wyl, A., & Lannen, P. (2024). Are screen media the new pacifiers? The role of parenting stress and parental attitudes for children’s screen time in early childhood. Computers in Human Behavior, 152, 108057. https://doi.org/10.1016/j.chb.2023.108057
  • Goodman, R. (1997). The Strengths and Difficulties Questionnaire: A Research Note. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 38(5), 581–586. https://doi.org/10.1111/j.1469-7610.1997.tb01545.x
  • Schmid, J., Unternaehrer, E., Benecchi, E., Bernath, J., Bolten, M., Bossi, C. B., Iskrzycki, K., Mazzoni, P., Steiner, O., Sticca, F., & Dimitrova, N. (2025). Digital media use in 0-5 year-old children in Switzerland. Swiss Psychology Open: The Official Journal of the Swiss Psychological Society, 5(1), 1–16. https://doi.org/10.5334/spo.89
  • Sticca, F., Brauchli, V., & Lannen, P. (2025). Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Frontiers in Developmental Psychology, 2, 1439040. https://doi.org/10.3389/fdpys.2024.1439040