Referat 1: Angst im Schulalltag – verborgen, unterschätzt, fehlgedeutet
Obwohl Ängste in Schule und Unterricht weit verbreitet sind, werden sie oft übersehen. Zudem macht es Lehrpersonen Mühe, Ängste zu verstehen und damit umzugehen. Dieser Vortrag zeigt, dass Ängstlichkeit ein ‘normaler’ Bestandteil der kindlichen Entwicklung ist und unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen haben kann. Wir erläutern Erscheinungsweisen sowie Verstehensansätze aus bio-psycho-sozialer Perspektive und zeigen auf, warum ein differenziertes Verständnis für pädagogisches Handeln entscheidend ist.
Xenia Müller, Dr. phil., HfH; Pierre-Carl Link, Prof., HfHReferat 2: Herausforderung Schulabsentismus – Standortbestimmung und schulische Prävention
Beim Schulabsentismus, dem illegitimen Fernbleiben von Schülern vom Unterricht, handelt es sich um ein in vielen Schulen verbreitetes Alltagsproblem. Es ist nicht als einheitliches Verhaltensmuster zu verstehen und bildet die Ausdrucksform und Folge ganz unterschiedlicher Problemkonstellationen im Individuum, in der Familie, in Freizeit und Schule. In den letzten Jahren sind aussichtsreiche und effiziente Strategien und Maßnahmen der Prävention und Intervention entwickelt worden, die die Bedingungen für Teilhabe verbessern und den pädagogischen Umgang mit Schulversäumnissen professionalisieren. Im Vortrag werden die unterschiedlichen Facetten des Schulabsentismus zur Sprache kommen, empirische Erkenntnisse und Erklärungsansätze thematisiert und ein Schwerpunkt gelegt auf Prävention und frühe Intervention im Kontext Schule.
Heinrich Ricking Prof. Dr., Universität LeipzigReferat 3: Trauma und Traumapädagogik in der Schule
Traumatische Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen beeinflussen erheblich das schulische Lernen und die dortigen Beziehungen. Für Fachpersonen ist es deshalb wichtig, diese Dynamiken zu verstehen und insbesondere die mit dem Trauma verbundenen Ängste ernst zu nehmen. Traumapädagogik versucht, einen möglichst sicheren Raum in der Schule zu gestalten, der allerdings nicht nur für die Kinder und Jugendlichen konzipiert, sondern auch für die Fachpersonen selbst durchdacht sein muss.
David Zimmermann, Prof. Dr., Humboldt Universität BerlinWorkshop 01: Verstehen und Handeln in der schulischen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Anhand des traumapädagogischen Fallverstehensfensters werden Möglichkeiten des Verstehens und Handelns in der Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen in der Schule herausgearbeitet. Unter Bezugnahme auf die Erfahrungen der Teilnehmenden können so Chancen, aber auch Grenzen schulischer Traumapädagogik konkretisiert werden.
David Zimmermann, Prof. Dr., Humboldt Universität BerlinWorkshop 02: Absentismus durch Schulangst – Fallverstehen und pädagogische Folgerungen
Im grossen Spektrum menschlicher Ängste sind mit Schulangst diejenigen gemeint, die sich in der Schule manifestieren, dort ihren Ursprung haben und sich auf schulische Situationen beziehen, also eine Angst vor Personen oder Bedingungen, die mit dem Schulbesuch insgesamt oder mit einzelnen schulischen Situationen assoziiert sind. Die Schule als leistungsorientierte Institution, in der regelmässig viele Menschen zusammenkommen, begünstigt durch ihre Verfasstheit in erheblichem Masse Angst und Unsicherheit unter Schülern, von denen einige diesbezüglich eine hohe Vulnerabilität aufweisen. Nach einer kurzen Einführung soll anhand eines Fallbeispiels Erlebens- und Verhaltensweisen im Kontext von schulischen Ängsten erarbeitet und Ableitungen für das pädagogische Handeln entwickelt werden.
Heinrich Ricking Prof. Dr., Universität LeipzigWorkshop 03: Kann mentalisierte (verstandene und regulierte) Angst eine Gabe für die Schule sein?
Angst zählt zu den zentralen internalisierenden Störungen im Schulalltag und beeinflusst nicht nur das individuelle Erleben von Schüler:innen, sondern kann sich in herausfordernden Verhaltensweisen äußern, die oft als externalisierend interpretiert werden. Schüler:innen, die aufgrund unerkannter oder unreflektierter Angst über Reizbarkeit, Wut oder Ablenkung reagieren, benötigen mehr als nur Verhaltenssteuerung: Sie brauchen Verständnis und Regulation innerer Zustände. Gleichzeitig ist Angst auch für Lehrpersonen selbst ein bedeutendes Thema – sie beeinträchtigt Wohlbefinden, Arbeitszufriedenheit und Unterrichtsqualität und geht mit erhöhten Stressbelastungen eiher bzw. resultiert aus Angst und Ängstlichkeit.
Ein vielversprechender Ansatz zur Förderung von emotionaler Verständigung und Selbst- sowie Fremdregulation ist Mentalisieren – die Fähigkeit, eigene und fremde mentale Zustände (z. B. Gefühle, Absichten, Wünsche, Ängste) bewusst wahrzunehmen und zu interpretieren. Mentalisieren ist empirisch als relevanter Prozess für adaptive Emotionsregulation und Gesundheit belegt. Der Beitrag möchte kurz das Mentalisierungskonzept darstellen und einige Ideen mit den Teilnehmern entwickeln, wie dies mit Angst im Klassenzimmer umsetzbar werden kann.
Stephan Gingelmaier, Prof. Dr., PH LudwigsburgWorkshop 04: Praxisnah und wirkungsvoll: Den sicheren Ort ins Zentrum zu stellen
Das Bilderbuch «Lily, Ben und Omid» eignet sich hervorragend, den Fokus auf den Sicheren Ort zu legen, und zwar in Bezug auf einzelne Schülerinnen und Schüler, für ganze Klassen, für das gesamte Schulhaus und auch in der Elternarbeit. Marianne Herzog, Traumapädagogin, Dozentin und Supervisorin, hat das Buch, das inzwischen in 19 Sprachen herausgegeben wurde, geschrieben. Sie zeigt anhand von vielen Beispielen praxisnah auf, wie vielfältig und wirkungsvoll das Buch eingesetzt werden kann.
Marianne Herzog, Supervisorin und Coach, OberhofWorkshop 05: Mut statt Mutismus! Mutismus in der Schule verstehen und begleiten
Die kategoriale Neuordnung in der ICD-11 weist Selektiven Mutismus – welcher durch das Schweigen die Kommunikation mit den Mitmenschen verunmöglicht – in das Kapitel der Angst- oder furchtbezogenen Störungen ein. Im Verständnis von Mutismus als Kommunikationsstörung geht die Fachwelt von einer multifaktoriellen Entstehung mit genetischen, psychologischen und sprachassoziierten Einflüssen aus. Dabei stellen sich folgende Fragen:
• Was ist selektiver Mutismus?
• Welche Rolle spielt die Angst in der Kommunikation?
• Welche Rolle spielen Risikofaktoren wie Mehrsprachigkeit?
• Welche Handlungsstrategien sind empfehlenswert?
Im Workshop werden diese Fragen fundiert und praxisnah behandelt, mit dem Ziel: Angst verstehen, Kommunikation ermöglichen.
Wolfgang Braun, Prof., HfHWorkshop 06: (Cyber-)Mobbing und Angst
Die Megatrends Globalisierung und digitale Medien eröffnen neue Chancen für Kommunikation und Lernen, bergen jedoch zugleich Risiken wie (Cyber-)Mobbing. Mobbing und Cybermobbing stellen zentrale Herausforderungen im schulischen Kontext dar, da Mobbingerfahrungen mit einer erhöhten Auftretenswahrscheinlichkeit internalisierender Symptome, einschliesslich Angst, verbunden sind. Nach einem kurzen Input zum Zusammenhang zwischen (Cyber-)Mobbing und Angst bei Schüler:innen werden im Workshop bewährte Instrumente der Diagnostik und Förderung vorgestellt. Ziel ist es, Möglichkeiten zu diskutieren, wie Cybermobbing erkannt, adressiert und durch eine evidenzbasierte, mehrstufige Schulkultur nachhaltig präventiv begegnet werden kann.
Fabio Sticca, Prof. Dr., HfHWorkshop 07: Psychomotorische Interventionen zur Unterstützung von Kindern mit gehemmtem Bewegungsverhalten
Ein gehemmtes Bewegungsverhalten kann neben motorischen Schwierigkeiten auch Ausdruck emotionaler und sozialer Unsicherheiten wie Schüchternheit oder sozialer Ängstlichkeit sein. Studien zeigen, dass bewegungsgehemmte Kinder im schulischen Alltag häufig weniger aktiv an bewegungs- und spielorientierten Lern- und Sozialformen teilnehmen, sich seltener in Gruppensituationen einbringen und soziale Kontakte zurückhaltender initiieren. Dies kann langfristig die soziale Integration, das Selbstvertrauen sowie die emotionale Entwicklung beeinträchtigen. In diesem Workshop lernen Sie psychomotorische Interventionen kennen, die es ermöglichen, bewegungsgehemmte Kinder im schulischen Alltag ressourcenorientiert zu unterstützen und zu begleiten und die Sie direkt in Ihrem Alltag anwenden können.
Melanie Nideröst, MSc., HfH; Stephanie Fink, MSc., HfHWorkshop 08: Mathematikangst und Rechenschwierigkeiten: Wenn Zahlen Angst machen
Mathematikangst ist ein häufiges, jedoch oft unterschätztes Phänomen, das Lernfreude und Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen kann. Kinder (und auch Erwachsene) erleben in mathematischen Situationen Stress, Unsicherheit oder Vermeidungsverhalten, manchmal auch unabhängig von ihren tatsächlichen Fähigkeiten. Forschung zeigt, dass Mathematikangst sowohl Folge als auch Mitursache von Rechenschwierigkeiten sein kann und mit emotionalen sowie neurokognitiven Prozessen eng verknüpft ist.
Im Workshop zeigen wir die Zusammenhänge zwischen Angst, Kognition und neuronaler Verarbeitung mathematischer Inhalte auf. Wir diskutieren, wie Mathematikangst erfasst werden kann, von Fragebögen bis hin zu bildgebenden Verfahren, und welche Förder- und Interventionsansätze helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Ziel ist es, Verständnis und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, um Kindern und Jugendlichen einen angstfreieren Zugang zur Welt der Zahlen zu ermöglichen.
Karin Kucian, PD Dr. sc. nat., Kinderspital Zürich; Ursula Fischer, Dr. rer. nat., HfH; Venera Gashaj, Dr., HfHWorkshop 09: Angst im (heil-)pädagogischen Alltag – Herausforderung und Bewältigungsmöglichkeit in der Elternarbeit
„Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben“ (Riemann 1970/2017, 17). Sie kann (!) nützlich sein, da sie uns vor realen Gefahren im Leben schützt. Sie stellt ein normales Phänomen im kindlichen Entwicklungsprozess dar und stellt auch Erwachsene noch vor Herausforderungen.
Im Workshop richten wir das Augenmerk auf Ängste von Kindern, Jugendlichen sowie Lehrpersonen im pädagogischen Alltag - wie wir sie erkennen, mit ihnen umgehen können und greifen Bewältigungsstrategien auf.
Tillmann F. Kreuzer, Dr., HfHWorkshop 10: Huch die Angst ist da – Umgang mit Angst im Schulalltag
Sie wünschen sich mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema Angst und Methoden, wie Sie Kinder im Umgang mit ihren Ängsten begleiten können? In diesem Workshop begegnen wir der Angst und den Unsicherheiten, die sie mit sich bringt. Sie bekommen im Schulalltag erprobte Methoden an die Hand, die Sie mit den Ihnen anvertrauten Kindern direkt umsetzen können. Die vermittelten Methoden richten sich an Kindergruppen im Alter zwischen 6 und 11. Grundlage der vermittelten Inhalte und Methoden ist das Buch “Huch, die Angst ist da” von Ulrike Légé und Fabian Grolimund.
Dominik Harnisch und Johanna Rank, Akademie LerncoachingWorkshop 11, online: Schüchterne Kinder erkennen und Angstdiagnostik
In diesem Workshop werden verschiedene Methoden – ein Fragebogen, eine Checkliste sowie ein nonverbaler Beobachtungsbogen aus der Praxis – vorgestellt, um eine möglichst objektive Einschätzung in Bezug auf die Schüchternheit und Ängstlichkeit bei Kindern vorzunehmen. Dies ist besonders für das Gespräch mit Eltern oder anderen Fachpersonen sinnvoll, da mit diesen Methoden einerseits unsichtbare Ängste sichtbar gemacht werden können und sie anderseits Hinweise für die Förderung und den Umgang mit den Kindern liefern.
Susan Anna Burkhardt, Dr. phil., HfH ZürichWorkshop 12, online: Huch die Angst ist da – Umgang mit Angst im Schulalltag
Sie wünschen sich mehr Sicherheit im Umgang mit dem Thema Angst und Methoden, wie Sie Kinder im Umgang mit ihren Ängsten begleiten können? In diesem Workshop begegnen wir der Angst und den Unsicherheiten, die sie mit sich bringt. Sie bekommen im Schulalltag erprobte Methoden an die Hand, die Sie mit den Ihnen anvertrauten Kindern direkt umsetzen können. Die vermittelten Methoden richten sich an Kindergruppen im Alter zwischen 6 und 11. Grundlage der vermittelten Inhalte und Methoden ist das Buch “Huch, die Angst ist da” von Ulrike Légé und Fabian Grolimund.
Dominik Harnisch und Johanna Rank, Akademie LerncoachingWorkshop 13,online: Angst im (heil-)pädagogischen Alltag – Herausforderung und Bewältigungsmöglichkeit in der Elternarbeit
„Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben“ (Riemann 1970/2017, 17). Sie kann (!) nützlich sein, da sie uns vor realen Gefahren im Leben schützt. Sie stellt ein normales Phänomen im kindlichen Entwicklungsprozess dar und stellt auch Erwachsene noch vor Herausforderungen.
Im Workshop richten wir das Augenmerk auf Ängste von Kindern, Jugendlichen sowie Lehrpersonen im pädagogischen Alltag - wie wir sie erkennen, mit ihnen umgehen können und greifen Bewältigungsstrategien auf.
Tillmann F. Kreuzer, Dr., HfHWorkshop 14, online: Wenn Angst spricht – Ängste im Klassenzimmer erkennen und pädagogisch adressieren
Angst ist im Schulalltag allgegenwärtig – bei Kindern, Jugendlichen, aber auch bei Lehrpersonen selbst. Oft zeigt sie sich nicht direkt, sondern versteckt sich z.B. hinter Rückzug, Wut, Perfektionismus oder Widerstand. In diesem Workshop nähern wir uns dem Phänomen der Angst aus der Perspektive der psychoanalytischen Heilpädagogik. Anhand konkreter schulischer Fallvignetten aus der Schule entwickeln wir gemeinsam ein feineres Gespür für verborgene Ausdrucksformen von Angst und lernen mögliche heilpädagogische Interventionen kennen. Ziel ist es, Lehrpersonen für unbewusste Prozesse zu sensibilisieren und ihnen ein tragfähiges Verständnis von Angst mitzugeben, das im Schulalltag unmittelbar anwendbar ist – auch dort, wo Sprache fehlt oder Verhalten „herausfordernd“ erscheint.
Robert Langnickel, Dr. phil., PH LuzernWorkshop 15, online: Gesund auf schwierige Emotionen eingehen mit Emotionscoaching
In diesem Workshop lernen Sie vier unterschiedliche Wege kennen, wie Erwachsene auf (kindliche) Emotionen üblicherweise reagieren. Nicht alle Reaktionen sind hilfreich für die sozio-emotionale Entwicklung von Kindern. Der Beste ist "Emotionscoaching". Dazu gibt es Evidenz aus über 17 Ländern auf fünf Kontinenten: Kinder, die mit Emotionscoaching aufwachsen, sind weniger ängstlich, Verhaltensauffälligkeiten nehmen ab und emotionale Kompetenz nimmt zu. Emotionscoaching basiert auf dem Grundsatz, dass jedes Gefühl und jeder Wunsch erlaubt ist, aber nicht jedes Verhalten. Im Workshop werden Beispiele für Emotionscoaching in verschiedenen Situationen gezeigt und geübt.
Susan Anna Burkhardt, Dr. phil., HfHWorkshop 16, online: Angst verstehen, Verhalten steuern – Lerntheorie und Classroom-Management im Fokus
Der Workshop zeigt auf, wie Angst im schulischen Kontext aus lerntheoretischer Sicht entsteht und reduziert werden kann. Am Beispiel des Good Behavior Game wird verdeutlicht, wie evidenzbasierte Verfahren wirksames Classroom-Management unterstützen. Gemeinsam reflektieren die Teilnehmenden praxisnahe Strategien zur Förderung eines positiven Lernklimas.
Dennis C. Hövel, Prof. Dr., HfH
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Angst im Schulalltag – verborgen, unterschätzt, fehlgedeutet
Category Weiterbildung